Ampelographie

Was ist molekulare Ampelographie?

Gekürzte Übersetzung der Veröffentlichung vom Institut Français de la Vigne et du Vin (IFV)
Moderne Genotypisierungs- und DNA-Analysetechniken haben die Ampelographie grundlegend verändert. Sie ermöglichen die großen Gruppen innerhalb der Art Vitis vinifera zu unterscheiden und Rebsorten eindeutig zu identifizieren, ohne das vollständige Wachstum der Reben abwarten zu müssen.

Der Begriff Ampelographie stammt aus dem Griechischen: ampelos bedeutet „Weinrebe“, graphie steht für „Beschreibung“. Er wurde erstmals 1661 von Dr. Sachs in seinem Werk Ampelographia verwendet. Heute umfasst die Ampelographie die Beschreibung und Identifizierung von Rebsorten, die Untersuchung ihrer Entwicklung und ihrer verwandtschaftlichen Beziehungen sowie die Erforschung ihres Verhaltens gegenüber Umweltbedingungen (Anbaueignung und önologische Eigenschaften).

Lange Zeit beruhte die Ampelographie ausschließlich auf der visuellen Beobachtung der Rebe, insbesondere auf der Morphologie von Blättern, Trieben und Trauben. Von den etwa hundert beschriebenen Merkmalen der verschiedenen Reborgane wurden von der OIV (Internationale Organisation für Rebe und Wein) 14 vorrangige Hauptmerkmale ausgewählt, da sie Rebsorten besonders zuverlässig unterscheiden können.

Später kamen neue Methoden hinzu, beispielsweise die Chemotaxonomie (Untersuchung sekundärer Pflanzenstoffe) oder biochemische Marker (Isoenzyme). Die eigentliche Revolution begann jedoch in den 1990er Jahren mit der Einführung genetischer Verfahren in die Ampelographie.

Molekulare Marker und DNA-Sequenzierung ermöglichten erstmals den direkten Zugang zum Genotyp einer Pflanze und nicht nur zu ihrem Erscheinungsbild (Phänotyp). Dadurch können Rebsorten bereits in einem sehr frühen Entwicklungsstadium erster Pflanzenteile bestimmt werden.

Für diese Analysen genügt bereits DNA aus wenigen Milligramm Pflanzenmaterial, das aus nahezu jedem Pflanzenteil gewonnen werden kann.

Was ist DNA und wie ist sie aufgebaut?

Die Desoxyribonukleinsäure (DNA) ist ein Molekül, das in allen Zellen vorkommt und sämtliche Informationen enthält, die für Entwicklung und Funktion eines Organismus notwendig sind. Gleichzeitig bildet sie die Grundlage der Vererbung, da sie bei der geschlechtlichen Fortpflanzung vollständig oder teilweise an die Nachkommen weitergegeben wird. Die DNA ist Träger der genetischen Information und bildet das Genom eines Lebewesens. Über die RNA steuert sie die Bildung der Proteine.

Die DNA besitzt die bekannte Doppelhelix-Struktur und besteht aus einer Kette von Nukleotiden. Jedes Nukleotid setzt sich aus einer Phosphatgruppe, dem Zucker Desoxyribose und einer stickstoffhaltigen Base zusammen.

Es gibt vier verschiedene Basen: Cytosin (C), Thymin (T), Adenin (A), Guanin (G). Dabei gehören Cytosin und Thymin zur Gruppe der Pyrimidine, Adenin und Guanin zu den Purinen.

In Pflanzenzellen befindet sich DNA im Zellkern sowie in den Chloroplasten und Mitochondrien. Chloroplasten sind für die Photosynthese verantwortlich, während Mitochondrien die Energieversorgung der Zellen übernehmen.

Welche Methoden verwendet die molekulare Ampelographie?

Die molekulare Ampelographie untersucht verschiedene genetische Marker, mit denen einzelne Pflanzen eindeutig unterschieden werden können.

Mikrosatelliten (SSR)

Mikrosatelliten oder Simple Sequence Repeats (SSR) sind kurze DNA-Abschnitte, in denen sich Sequenzen aus zwei bis vier Basen mehrfach wiederholen (bis zu 20–30 Wiederholungen), beispielsweise: C-A oder G-A-T

Diese Marker werden besonders häufig zur Identifizierung von Rebsorten eingesetzt.

Indels

Indels sind kleine Insertionen oder Deletionen, also Einfügungen oder Verluste kurzer DNA-Sequenzen.

Transponierbare Elemente

Diese sogenannten „springenden Gene“ können ihre Position innerhalb des Genoms verändern. Ihre Aktivität wird unter anderem durch Stress oder Umweltbedingungen beeinflusst. Sie sind eine wichtige Quelle genetischer Veränderungen und damit für die Evolution.

Man unterscheidet Retrotransposons, die nach dem Prinzip „Kopieren und Einfügen“ arbeiten und Transposons, die sich nach dem Prinzip „Ausschneiden und Einfügen“ bewegen.

SNPs (Single Nucleotide Polymorphisms)

SNPs betreffen lediglich eine einzelne Base der DNA.

Dabei unterscheidet man: Transitionen (Austausch innerhalb derselben Basengruppe) und Transversionen (Austausch zwischen Purinen und Pyrimidinen).

Was hat die molekulare Ampelographie über den Ursprung der Weinrebe herausgefunden?

Die Arbeitsgruppe von Jean-Pierre Péros am INRAE Montpellier konnte zeigen, dass asiatische Wildreben die ursprünglichsten Vertreter der Gattung sind und sowohl die europäischen (Vitis vinifera) als auch die amerikanischen Reben von ihnen abstammen.

Für die amerikanischen Arten werden zwei voneinander unabhängige Einwanderungsereignisse aus Eurasien angenommen: Eines führte zu den zentral- und ostamerikanischen Arten (Vitis labrusca, Vitis riparia, Vitis rupestris, Vitis berlandieri) und das andere zu den kalifornischen Arten (Vitis californica).

Durch Mikrosatellitenanalysen konnten außerdem die echten europäischen Wildreben (Vitis vinifera subsp. sylvestris) eindeutig von den Kulturreben unterschieden werden.

Innerhalb der Kulturreben ließen sich die Sorten objektiv in fünf große geografische Gruppen einteilen.

Welche Erkenntnisse brachte die molekulare Ampelographie über die Verwandtschaft von Rebsorten?

Die Untersuchung der rund 2.300 traditionellen Rebsorten der Rebsammlung Domaine de Vassal (INRAE, Marseillan) führte zum Aufbau einer einzigartigen genetischen Datenbank.

Wenn zwei Rebsorten jeweils etwa die Hälfte der genetischen Marker einer dritten Sorte besitzen, ist dies ein starker Hinweis darauf, dass diese beiden Sorten deren Eltern sind. In vielen Fällen lässt sich sogar bestimmen welche Sorte der Pollenspender (Vater) war und welche Sorte die Mutterpflanze darstellte.

Dies ist möglich, weil die Mutter ihrem Nachkommen unter anderem die Chloroplasten vererbt, deren DNA ebenfalls genetische Marker enthält.

Gouais Blanc – einer der wichtigsten Eltern unserer heutigen Rebsorten

Besonders überraschend war die Erkenntnis, dass Gouais Blanc (Heunisch Weiß), eine önologisch eher unbedeutende Weißweinsorte, einer der wichtigsten Vorfahren vieler bedeutender europäischer Rebsorten ist. Durch Kreuzungen mit Pinot entstanden unter anderem: Chardonnay, Aligoté, Auxerrois, Melon und Gamay. Mit anderen, teilweise unbekannten Eltern entstanden außerdem: Jacquère, Grolleau, Colombard, Riesling oder Saint-Côme.

Die Abstammung von Merlot

Eine 2008 veröffentlichte Studie von Jean-Michel Boursiquot und Mitarbeitern klärte die Abstammung des Merlot. Bei Untersuchungen alter Weinberge in der Bretagne und in der Charente wurde eine bis dahin unbekannte Sorte entdeckt: Magdeleine noire des Charentes.

Genetische Analysen zeigten, dass sie die Mutter sowohl von Merlot als auch Malbec (Cot) ist.

Außerdem konnte nachgewiesen werden, dass Prunelard der Vater des Malbec ist.

Damit konnten mehrere bislang ungeklärte Verwandtschaftsbeziehungen innerhalb bedeutender Rebsorten aufgeklärt werden.

Besonders erfolgreiche Anwendungen der molekularen Ampelographie

Ein spektakuläres Beispiel gelang 2008 Jean-Michel Boursiquot und Laurent Audeguin während einer Reise nach Australien. Dort glaubten zahlreiche Winzer seit vielen Jahren, Albariño anzubauen. Die DNA-Analysen ergaben jedoch eindeutig: Es handelte sich tatsächlich um Savagnin Blanc. Nach ihrer Rückkehr nach Frankreich wurde dieses Ergebnis durch Vergleiche mit den genetischen Datenbanken von IFV und INRA bestätigt.

Ein ähnlicher Fall war bereits 1994 in Chile aufgedeckt worden: Dort war die Rebsorte Carmenère jahrzehntelang mit Merlot verwechselt worden.

Im französischen Südwesten ermöglichte die molekulare Ampelographie außerdem die Identifizierung zahlreicher alter Regionalrebsorten sowie die Aufnahme bisher unbekannter Sorten wie: Moural (Aveyron), Bouysselet (Fronton) und weiterer bislang namenloser Sorten.

Kann die molekulare Ampelographie Klone unterscheiden?

Derzeit können Klone derselben Rebsorte mit den üblichen Mikrosatellitenmethoden noch nicht sicher unterschieden werden, da innerhalb einer Sorte nur sehr geringe Unterschiede bestehen.

Neue Verfahren der Hochdurchsatz-DNA-Sequenzierung eröffnen jedoch neue Möglichkeiten. Im Rahmen einer Dissertation von Grégory Carrier wurden drei Klone des Pinot Noir vollständig untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass insbesondere Retrotransposons maßgeblich für die genetischen Unterschiede zwischen den Klonen verantwortlich sind. Anschließend wurde mithilfe sogenannter SSAP-Marker für sämtliche untersuchten Pinot-Noir-Klone ein individuelles genetisches Profil erstellt.

Bevor diese Methode jedoch routinemäßig eingesetzt werden kann, müssen die verwendeten Marker hinsichtlich ihrer Stabilität und Wiederholbarkeit noch umfassend überprüft werden.

Erst danach wird eine zuverlässige genetische Identifizierung einzelner Klone möglich sein. (Anmerkung: Dies wäre sehr wünschenswert, um etliche noch existierende Streitfälle zu lösen, ob es jeweils um unterschiedliche Klone oder andere Sorten handelt. Wir sind gespannt….)

Ampelographie
ampélographie (franz.), ampelography (engl.), ampelografia (ital.)

Die Wissenschaft über das Beschreiben der Rebsorten (ampelos = grch. Weinstock) ist ein Teilbereich der Önologie. Nach der griechischen Mythologie entspross dem Leib des bei der Jagd getöteten Satyrn Ampelos die erste Weinrebe. Sein Gefährte Dionysos pflanzte sie zuerst in einen Vogelknochen. Als dieser zu klein wurde, in einen Löwenknochen, sowie schließlich in einen Eselsknochen. Somit konnte er die Rebe überall hin mitnehmen. Rebsorten zu unterscheiden wurde schon in der römischen Antike versucht und bereits Plinius der Ältere (23-79 n. Chr.) stellte fest, dass sich hinter verschiedenen regionalen Namen oft ein und dieselbe Rebsorte verbergen kann. Bereits aus dem späteren Mittelalter sind Aufstellungen von verschiedenen Autoren mit den Namen regional angebauter Rebsorten überliefert. Die Beschreibungen sind jedoch oft ungenau, so dass man auf Grund von Namensähnlichkeiten bezüglich der tatsächlichen Rebsorten nur spekulieren kann.

Nach Etablierung des Buchdrucks und Begründung der modernen botanischen und zoologischen
Taxonomie durch Carl von Linné (1707-1778) begann sich auch die Ampelographie zur botanischen Wissenschaft der Rebsorten zu entwickeln. Die Wortschöpfung stammt vom Botaniker Philipp Jakob Sachs von Löwenheim (1627-1672), der sein im Jahre 1661 publiziertes umfangreiches Werk über den Rebstock mit „Ampelographia“ betitelte. Es dauerte allerdings rund 150 Jahrer, bis sich dieser Begriff als Bezeichnung für einen eigenständigen wissenschaftlichen Bereich durchsetzen konnte. Nach ihm schuf Balthasar Sprenger (1724-1791) aus dem Kloster Maulbronn ein dreibändiges Werk über den Weinbau mit hunderten detallierten Rebsorten-Beschreibungen.

Heute versteht man unter Ampelographie das Beschreibung der
phänotypischen und genotypischen Eigenschaften der Rebsorten und die Charakterisierung durch differenzierende, sortentypische Merkmale. Dazu gehört auch die Evaluierung der weinbaulichen Sortenmerkmale, die Beschreibung und Bewahrung der Klonenvielfalt, sowie die Aufdeckung der Abstammung von historischen Sorten unbekannten Ursprungs. Die Rebsorten-Bestimmung erfolgt aufgrund des Habitus (äußerlicher Merkmale) und vegetationszyklischer Eigenschaften wie Blüte-, Austriebs- oder Reifezeitpunkt. Mittels DNA-Analysen kann eine Klärung der Abstammung erfolgen. Die Blütezeit der Ampelographie fällt ins 19. Jahrhundert. Vor allem in Frankreich, Italien, Deutschland und Österreich-Ungarn erfolgten umfangreiche und detaillierte Beschreibungen der in den jeweiligen Ländern angebauten oder in den Rebsortimenten vorhandenen Rebsorten. Berühmte Ampelographen dieser Zeit im deutschsprachigen Raum waren zum Beispiel Carl Friedrich von Gok (1776-1849), Johann Philipp Bronner (1792-1864), Johann Metzger (1789-1852) oder August-Wilhelm Freiherr von Babo (1827-1894), in Frankreich Victor Pulliat (1827-1896) und in den Vereinigten Staaten Thomas Volney Munson (1843-1913).

In Italien erschien im Jahre 1877 das von Giuseppe di
Rovasenda (1824-1913) verfasste Werk „Saggio di Ampelografia Universale“, in dem 3.666 Rebsorten aus der weltweit größten Rebsortensammlung bei Turin beschrieben sind. Im deutschsprachigen Raum setzte Hermann Goethe (1837-1911) einen Höhepunkt mit der Veröffentlichung seiner zweiten Auflage des Handbuchs für Ampelographie im Jahre 1887. Zur Krönung dieser ampelographischen Epoche wurde Anfang des 20. Jahrhunderts das siebenbändige Werk „Ampélographie“ von den französischen Ampelographen Victor Vermorel (1848-1927) und Pierre Viala (1859-1936) herausgegeben. Darin beschreiben mehrere französische Autoren die bis dahin bekannten europäischen Rebsorten, mit 24.000 Rebsortennamen und den ihnen zugeordneten Synonymen. Wenn auch nicht fehlerfrei, so ist dieses Werk bis heute das umfassendste Standardwerk über die traditionellen Rebsorten in Europa.

Die Rebsortenbeschreibungen im 18. Jahrhundert konzentrierten sich vor allem auf die Aspekte der Trauben und Beere, nach denen in erster Linie die Identifizierung erfolgte. Diese Methode war noch relativ fehleranfällig und unsicher. Doch ab dem 19. Jahrhundert trat das
Blatt als Organ zur Sortendifferenzierung immer mehr in den Vordergrund. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die gesamte Morphologie der Rebsorten (Eigenschaften von Stamm, Holz, Blatt, Triebspitze, Traube, Beere) akribisch beschrieben und zur Sortenidentifizierung herangezogen. Die Rebsorten werden dabei nach bestimmten Merkmalen (Beerenform, Beerenfarbe, Behaarung des Blatts, Form des Endzahns) in Gruppen eingeteilt und klassifiziert, zahlreiche regionale Synonyme werden aufgeklärt und dokumentiert. Obwohl Hermann Goethe bereits im Jahr 1876 dies angeregt hatte, wurden ampelometrische Kriterien wie das vermessene Verhältnis von Länge und Breite bestimmter Blattstrukturen oder die Winkelgrößen zwischen den Hauptnerven erst im 20. Jahrhundert in größerem Umfang angewendet. Zu den bekanntesten Ampelographen der Neuzeit zählen die Franzosen Pierre Galet (geb. 1921) und Paul Truel (geb. 1924), die an der Universität in Montpellier tätig waren. Beide erkannten hunderte von Rebsorten auf den ersten Blick.

Die Kriterien zur Beschreibung von Rebsortenmerkmalen sind heute eindeutig in den Merkmalskatalogen der internationalen Verbände
OIV und UPOV definiert. Als wichtigste Organe zur Sortendifferenzierung gelten die Triebspitze, das Blatt, die Traube sowie die Beere. Kriterien sind Farbe, Form, Behaarung der Triebspitze und Blätter, Größe und Charakter der Trauben, sowie Form, Farbe, Geschmack und Samengehalt der Beeren. Mit der Entwicklung moderner Labormethoden wird versucht, Rebsorten auch mittels Inhaltskomponenten (Iso-Enzyme) und DNA-Profilen zu differenzieren und zu identifizieren. Seit 1995 steht die Technik des genetischen Fingerabdrucks (Mikrosatelliten-Analyse) zur Verfügung, mit dem Rebsorten eindeutig im Labor erkannt werden können.

Alle namhaften Weinbau-Institute der Welt beschäftigen sich damit, Rebsorten anhand der genetischen DNA-Profile
molekulargenetisch zu charakterisieren und Referenzprofile festzulegen Der endgültige Abgleich der in den verschiedenen Ländern vorhandenen Rebsorten ist aber noch im Gange. Die Methode wurde mittlerweile standardisiert, so dass sich die genetischen Fingerabdrücke verschiedener Arbeitsgruppen nun leichter vergleichen lassen. In den nächsten Jahren sind deshalb neue Erkenntnisse zu erwarten. Dass es trotz dieser eindeutigen Kriterien trotzdem immer noch zu Identifizierungs-Problemen kommen kann, ist unter Müller-Thurgau bezüglich der Klärung der Vaterschaft beschrieben.

Quelle: https://glossar.wein-plus.eu/ampelographie

2. Auflage der OIV-Merkmalsliste für Rebsorten und vitis-Arten...

Seit langem ist die Beschreibung von Vitis-Arten und –Sorten anhand morphologischer Merkmale Gegenstand zahlreicher Arbeiten namhafter Ampelographen. Dabei sind die Anzahl der verwendeten Merkmale und die Vollständigkeit ihrer Beschreibung je nach dem Autor und seiner Zielsetzung unterschiedlich: Beschreibung der Genotypen einer Genbank, Beschreibung neuer Sorten zwecks Sortenschutz, systematische
Klassifizierung zur Identifizierung usw. Um der Gefahr von Verwechslungen und Irrtümern zu begegnen, die aufgrund der Vielzahl und der Heterogenität der vorliegenden Listen von Unterscheidungsmerkmalen auftreten können, haben das OIV (Office International de la Vigne et du Vin / Internationales Amt für Rebe und Wein), die UPOV (Union Internationale pour la Protection des Obtentions Végétales /  Internationaler Verband zum Schutz von Pflanzenzüchtungen) und Bioversity (vorher IPGRI, Internationales Institut für Pflanzengenetische Ressourcen) beschlossen, die Definition der Beschreibungsmerkmale, die sie bisher zu unterschiedlichen Zwecken verwendeten, aufeinander abzustimmen.

Experten dieser drei Organisationen haben gemeinsam eine ausführliche Definition der zur Identifizierung von Vitis-Arten und –Sorten erforderlichen ampelographischen Merkmale ausgearbeitet. Hierbei ist die Anzahl der von jeder Organisation festgelegten Merkmale – der vorgesehenen Art der durchzuführenden Beschreibung entsprechend – unterschiedlich; sie schwankt von 21 für die Genbanken bis zu 78
für den Schutz von Neuzüchtungen, davon 35 obligatorisch. Die Deskriptorzahl erhöht sich noch wesentlich, wenn – wie das OIV dies beabsichtigt – die weinbaulichen und technologischen Eigenschaften der Sorten beschrieben werden sollen. Diese ergänzende Beschreibung greift auf phänologische (Klimaanpassung), physiologische (Schädlingsresistenz und Resistenz gegenüber physiologischen Krankheiten usw.) und technologische Merkmale (Produktqualität) zurück. Die Definition dieser Unterscheidungsmerkmale ist das Werk der Expertengruppe Rebenzüchtung des OIV.

Die in vier Sprachen (französisch, deutsch, englisch, spanisch) übersetzten Merkmalsbeschreibungen stellen ein gemeinsames Nachschlagewerk der OIV, der UPOV und Bioverstiy dar. Nunmehr können alle Experten, die sich dieses standardisierten Werkes bedienen, sicher sein, die gleiche Sprache zu sprechen, was zu einer besseren Kenntnis der Genotypen innerhalb der Gattung Vitis beitragen dürfte.

 

Hinweis zur Website traubenshow.de  Dieses Angebot richtet sich ausschließlich an Gewerbetreibende (B2B), nicht an Endverbraucher.
 

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